Tag 8 in Schottland – die Tour, Verluste und mein Fazit3 Min. Lesezeit (ca.)

Tour

Auf der Karte hier, seht ihr die Strecke die wir auf der “4 Island Magic-Tour mit rabbie´s gemacht haben. Die Kreise markieren die größeren Stopps. Zwischendurch haben wir immer mal angehalten. Übernachtet habe ich in Edinburgh, Oban und Plockton.

rabbie´s

Der Reiseveranstalter mit dem ich gefahren bin. Die Touren die angeboten werden, gehen nicht nur von Edinburgh aus, auch von Glasgow und London, Dublin und Inverness kann man Touren durch Schottland, England und Irland machen. Sehr stark und absolut empfohlen.

Rabbie … der Name ist ein Spitzname von Robert Burns, einem sehr berühmten schottischen Poeten und Schreiber. Unter anderem stammt das Lied/der Text von dem zweithäufigsten gesungenen Lied der Welt aus seiner Feder. Na? Genau: Auld lang syne.

Hairy Coo

Die Hochland Rinder, Highland Cattles werden hier auch oft einfach nur “Hairy Coo” genannt.

Ladies from Hell

Im ersten Weltkrieg waren auch schottische Regimenter im Einsatz und die “Black Watch” – das 3rd Battalion, Royal Regiment of Scotland – auch bekannt als “Royal Highlanders”- bekam von den deutschen Truppen einen speziellen Spitznamen. Ob die deutschen zunächst dachten, Schottland würde nun auch Frauen im Krieg einsetzen oder nicht – den Respekt für die Kriegsführung, den Kampf und den Ehrgeiz zollten sie mit dem Zusatz “… from Hell” auf jeden Fall.

Verluste auf der Reise

Nein, wir haben keinen auf der Tour verloren… auch wenn Doug eine 10%-Regel aufgestellt hat und bei 16 wäre schon ein Verlust drin gewesen. Nein, Verluste gab es bei mir nur – ein paar Schuhe und meine Reisetasche. Am letzten Tag sind die Henkel gerissen – also habe ich mir in Edinburgh direkt einen neuen Koffer gekauft. Ein paar Schuhe habe ich nach einem recht unüberlegten Gang durch den Ebbe-Schlamm ebenfalls direkt wegschmeissen können. Löcher hatte sie auch – und danach war nichts mehr zu retten.

Mein Fazit

Jetzt sitze ich hier am Airport Edinburgh und warte auf meinen Rückflug nach Düsseldorf-Weeze. Das Wetter ist perfekt und ich denke darüber nach, was Schottland für mich war.

Hat es gut getan? Die Ziele erreicht? Geht es mir besser?

Ja, es hat mir gut getan.

Einfach mal raus, etwas anderes sehen und für ein paar Tage den ganzen anderen Scheiss hinter mir lassen. Das was in den vergangenen Monaten alles passiert ist und passiert wurde. Den Verrat, die Verletzungen, die Enttäuschung, die Wortbrüche, die Lügen und die Selbstsucht und Egomanie mancher einfach mal für eine Weile vergessen. Zu verdrängen, dass man diese Reise eigentlich gemeinsam machen wollte und diesen – wie andere – Träume ebenfalls verraten und für so unwichtiges aufgegeben hat, weil man zu dämlich und zu selbstsüchtig ist, Kompromisse einzugehen.

Ja, das hat nicht ganz geklappt, aber dennoch war es gut. Es hat mir gut getan, anderes zu sehen und ich habe sehr viel weniger über manches nachgedacht.

Die Zeit in Schottland war toll. Ich habe viel gesehen, gelernt und ausprobiert. Ich komme mit einem Sack voll Erinnerungen zurück, hunderten von Bildern, neuer Musik für meine Playlist, neuen Büchern, ein paar neuen Whisky-Sorten und dem Wunsch noch viel mehr von Schottland zu sehen.

Es geht mir auch besser. Die Zeit war ein “Auftanken” der Batterien, die ich in den letzten Monaten hart an der Belastungsgrenze beansprucht habe und mehr als einmal dachte, dass es hier nicht weiter geht. Der Zeit bis zur Kur sehe ich nun etwas gelassener entgegen und dank der anderen Hilfe die noch da ist, wird das schon was.

Danke, Schottland. Dafür, dass Du ein hervorragender Gastgeber warst. Für den Spaß in den Pubs, die Eindrücke, die traumhaften Landschaften der Highlands, die ruhigen Momente an den Lochs, das leckere Essen und für so viel mehr.

Tag 7 in Schottland – The five Sisters of Kintail, Haggis am Loch Ness und Caledonia4 Min. Lesezeit (ca.)

Ein paar von unserer Gruppe hatten gestern am Kilt Rock auf der Isle of Skye das Glück, einen Seeadler zu sehen. Ich hatte wohl die Augen zu, denn der Wind und das Wasser am Kilt Rock erzeugen Geräusche, die so interessant sind, dass ich mich darauf konzentrierte. Ein paar Infos zu dem “gefalteten Berg” gibt es hier:

Heute stand für uns der letzte Tag der 5-Tages Tour “4 Island Magic” auf dem Programm – also ein paar Stopps und zurück in die Hauptstadt Edinburgh. Doof fand ich das schon direkt beim Aufstehen. Da das bockige “Ich will hier nicht weg” nicht zieht und auf keine Ohren trifft, komme ich irgendwann wieder.

Wir kommen heute noch mal am Eilean Donan Castle vorbei. Der Burg, auf dem die Szenen für “Highlander” gedreht wurden. Ich freue mich sehr, denn das war und ist eines der Highlights für mich und ich bekomme direkt wieder eine Gänsehaut als wir Eilean Donan Castle sehen. Wenn ich fünf Plätze auf der Welt benennen müsste, an denen ich sitzen bleiben könnte: dies wäre einer davon.

Eine Weile nach unserem Aufbruch erreichen wir die “Five Sisters of Kintail” – eine Bergkette von fünf Gipfeln, die der Sage verwandelte Frauen sind, die auf ihre versprochenen Irischen Männer warten. (Die Geschichte hier in Englisch)

Auf dem Weg weiter nach Edinburgh kommen wir zur Mittagszeit in Fort Augustus an. Einem Ort am Loch Ness. Logisch, dass es mich direkt zum Wasser zieht.

Da es ein paar aus der Gruppe gibt, die eine Bootstour über den Loch Ness machen möchten, haben wir anderen reichlich Zeit. Ich sitze am Wasser, schaue, denke, erinnere mich und bleibe sitzen. Hier könnte ich so lange bleiben, bis ich Nessie gesehen habe … So hatten wir es einst versprochen … ach …

Als ich mich aufraffe, habe ich Hunger und endlich probiere ich Haggis. Prima, ich weiß gar nicht, was alle immer mit Haggis haben. Nach einem weiteren Moment in Stille am Loch Ness, gehe ich durch Fort Augustus eine wenig die Schleuse am Caladonian Canal hoch. Ja. Hier könnte ich es auch aushalten. Highlands … <3

Wir machen nach Fort Augustus noch ein paar mal Halt. Zum einen, weil wir vier Leute aus unserer Gruppe an einen anderen Bus übergeben, da diese das Glück haben noch auf weitere Touren zu gehen, zum anderen an der höchstgelegenen Whisky-Destillerie Schottlands (Dalwhinnie) – direkt gegenüber sehen wir einen fantastischen Regenbogen. Habt ihr gewusst, dass Schottland mehr als 130 Whisky-Destillerien hat und die Zahl steigt?

Irgendwann erreichen wir wieder Edinburgh und ich sitze in meiner Unterkunft. Im Hintergrund läuft das Lied “Caledonia” von Dougie MacLean in seiner Version von 1977.

“And let me tell you that I love you
that I think about you all the time
Caledonia’s been calling me
now I’m going home”

Schreiben kann ich dabei nicht mehr, sehe die Bilder und weiß, was er meint. Hier ist hier. Ich mag das hier und Caledonia (Schottland) hat mich. Die Highlands sind ein Traum, die Zeit hier war großartig und die Vorstellung hier noch mehr Zeit verbringen zu wollen bringt eine Wehmut mit sich, die sich wie ein fieses Heimweh anfühlt. Kein Wunder, dass MacLean es hatte, wenn es mir schon nach ein paar Tagen so geht…

Schottland hat mich … wie sehr, weiß ich nicht, aber das Land von dem ich träumte, in dem so viele Träume lagen und so viele Gedanken, Gedankenspiele und Gespräche hat sich als das bewiesen, was es für mich war. Ein Traum.

(Als ich den letzten Absatz schrieb, läuft im Hintergrund das Lied “The rolling hills o’ the border” von Far Flung Collective – es ist bei Amazon Music – danke für den Hinweis … und wer mich ein wenig kennt, weiß, wie ich mich gerade fühle).

Ein paar Bilder …

Die Artikelreihe zu meiner Schottland-Tour 2017:

Tag 6 in Schottland – Feen, Whisky und Weltmeister im Elefanten Polo4 Min. Lesezeit (ca.)

Ja, manchmal darf man nur die Hälfte von Dingen glauben, die einem erzählt werden. Das ist nicht nur bei Menschen so, die durch die Gegend laufen, Menschen verarschen und sich bei anderen durch scheinheiliges Getue anbiedern und die Wahrheit verdrehen, Lügen erzählen, unschuldig spielen und sogar Dinge leugnen, die längst eingetreten und sich mehrfach bewiesen haben … Nein, auch in Sagen, Märchen und Geschichten steckt viel, das man ruhig mal prüfen kann.

Bei vielen der Geschichten, die ich hier auf der Tour höre geht es mir so und ich versuche, den Wahrheitsgehalt darauf zu prüfen. Bei einigen ist das nicht schwer, aber … Feen? Ja, romantische Vorstellung und zu gerne würde ich daran glauben, dass die Feen, die wir heute in ihrem Tal (Fairy Glen) besucht haben, mir meinen Wunsch erfüllen: Endlich mit einem bestimmten Menschen, der mich auf fiese Art und Weise verarscht und abserviert hat, abschließen und den Menschen als das Abstempeln, was er ist. Ein frommer Wunsch. Ob mein stiller Tanz im Tal der Feen geholfen hat?

Heute morgen sind wir aufgebrochen und haben die Isle of Skye den ganzen Tag lang besucht. Über die Skye Bridge, die vor einiger Zeit mit Unterstützung der Bank of America gebaut wurde. Die Bank of America hat sich hier in der Ecke keine Freunde gemacht – denn sie erhob zur Refinanzierung der Bau- und Betriebskosten exorbitante Maut-Gebühren, kaufe auch den Fährbetrieb und schloss diesen, damit jeder die Brücke nutzen musste. Das kam in der Region nicht gut an, denn natürlich hingen hier auch Arbeitsplätze daran. Irgendwann hat Schottland die Brücke zurückgekauft und die Maut-Gebühren wieder gestrichen. Im ganzen Land gibt es nun keine Brücken-Gebühren mehr.

Die Bilder der Skye Bridge habe ich einem kleinen Ort mit dem Namen Kyleakin gemacht – von hier hat man einen tollen Blick auf die Brücke.

Meine Gruppe hat mich dann an der Talisker Destillery in Carbost  abgesetzt, wo ich an einer Führung durch die Whisky-Destillerie teilgenommen habe. Sehr interessant und gut eine Stunde lang. Danach gab es natürlich auch etwas zu probieren und so durfte ich den Talisker Storm testen. Lecker. Zwei andere Whiskies habe ich im Shop gekauft.

Kleine Geschichte am Rande: Wusstest Du, dass Schottland Weltmeister im Elefanten Polo ist? Ich wusste nicht mal, dass es sowas gibt und es war auch eine der Geschichten, die ich erst mal prüfen musste. Ist so. http://www.elephantpolo.com/

Unsere Mittagspause legten wir in Portree ein – die größte Stadt auf der Insel Skye und hier war es wirklich voll mit Touristen. Nicht ganz meins und so verbrachte ich meine Zeit am Hafen, habe Fish & Chips gegessen und freute mich, dass wir weiter konnten.

Am Nachmittag sind wir durch die Berge von Skye gefahren, haben hier und da angehalten und Fotos gemacht. Unter anderem am Anfangs erwähnten Faery Glen. Ein netter Platz, viel Grün, ein paar Hügel, Bäume und Mauern. Die Regeln an ein diesem Feen-Ort:

  1. Nimm nichts von hier mit – auch keinen Stein
  2. Pfeif oder rufe nicht nach den Feen um sie anzulocken
  3. Lass nichts an diesem Ort, dass aus Metal ist

Ok. Ich habe mich an die Regeln gehalten und noch dazu habe ich die Feen um etwas gebeten, habe brav für sie im Stillen getanzt und mich im Kreis gedreht. Drücken wir die Daumen, dass es endlich eintrifft.

Den imposantesten Blick hatte ich dann am Quiraing. Was für eine Sicht. Was für ein Wind.

Weitere Stopps haben wir noch für diverse Bilder genutzt. So waren wir u.a. auch auf den Flächen, wo einige Szenen für Highlander oder 47 Ronin (mit Keanu Reeves) gedreht wurden, an der heimischen Brauerei (Isle of Skye Brewery) und ein paar mehr, bevor wir für eine weitere Nacht zurück nach Plockton gefahren sind.

Für heute bin ich durch. Eigentlich wollte ich heute noch in den (einzigen) Pub hier in Plockton, aber danach ist mir heute einfach nicht.

Morgen geht es weiter … und Loch Ness ist auch auf der Liste.

Ein paar Bilder vom Tag:

Die Artikelreihe zu meiner Schottland-Tour 2017:

Tag 5 in Schottland – Ein Hauch von Rom, Far Flung Collective und endlich Whisky5 Min. Lesezeit (ca.)

Der Tag von Gestern wirkt nach. Ich habe (wieder mal) nicht viel geschlafen und die Gedanken ziehen Kreise. Da wir heute nicht viel Programm haben, starten wir nach dem Frühstück erst um 09.15 Uhr. Nicht viel Programm scheint auf den ersten Blick auch gut, denn: Heute regnet es wirklich … bzw. wir haben viel “liquid sunshine”… Nicht schlimm. Ich habe übrigens einen leichten Sonnenbrand. Habe ich gestern auf Iona gar nicht so bemerkt.

Wir starten… und da wir noch in Oban sind, fahren wir zuerst zu dem schwarzen Gebäude, welches Ihr auf manchen Fotos schon sehen konntet und das ein wenig an das Kolosseum in Rom erinnert.

Das Gebäude ist McCraig´s Tower. Im Inneren befindet sich heute eine Parkanlage, weder das eigentlich geplante “Kolosseum” noch der Turm, der darin enstehen sollte, wurden jemals fertig gestellt. Was allerdings ziemlich perfekt ist, ist der Blick den man von hier hat und imposant ist das Gebäude ebenfalls. Mehr Infos bekommt man hier.

Eine der Insel die man von hier aus sehen kann (neben Mull) ist “Kerrera” – hier starb der schottische König Alexander II.

Auf unserer Fahrt sind wir heute an diversen kleinen Burgen und Schlösser vorbei gekommen, ebenso an vielen Lochs. Alle habe ich mir nicht aufgeschrieben, aber es waren einige. Den ersten wirklichen Stopp haben wir am “Glencoe Lochan” gemacht. Lochan ist die verniedlichte Form des Loch – also wenn wir einen See als Loch bezeichnen, ist Lochan dann eher ein Teich. Passte, wenn auch ein recht großer.

Im Regen ist der Glencoe Lochan ebenfalls ein wirklich romantisches Plätzchen. Wald, Idylle und überall kleine Möglichkeiten an denen man sich setzen und sich ausruhen kann. Drei Wanderwege führen unterschiedlich weit um den Teich herum und die kleine Route, die wir genommen haben, dauert rund 20 Minuten bei normaler Geh-Geschwindigkeit.

Hier in der Nähe (im Wald bei Glencoe) wurden übrigens auch Szenen für Harry Potter – der Gefangene von Askaban gedreht (Hagrids Hütte z.B.). Ein paar ausführliche Infos dazu gibt es hier: http://www.glencoescotland.com/about-glencoe/harry-potter/

Unsere Mittagspause verbringen wir heute in Fort William am Loch Linnhe. Fort William, der größten Stadt der westlichen Highlands. Die Stadt wurde irgendwann nach Wilhelm III. von Oranien-Nassau in Fort William benannt.

Die Schotten mögen und mochten diesen König wohl aber nicht so wirklich, denn selbst auf den Straßenschildern hier (die sind einmal in Englisch und einmal in Schottisch-Gälisch), heißt die Stadt in Gälisch nur “An Gearasdan” was soviel wie “Die Garnision” oder “Die Festung” bedeutet. Stolzes Volk. Ich mag Schottland.

Wenn das Wetter noch besser als “liquid sunshine” gewesen wäre, hätte ich die Panorama-Straße durch die Highlands wohl als “absolut traumhaft” beschrieben … heute bleibt es bei “traumaft”. Die Panomama-Straßen, die ich z.B. aus Österreich kenne, sind ähnlich … weite Täler, hohe Berge und egal wohin ich schaue, es ist immer ein “WOW”-Moment dabei.

Mein Highlight des Tages folgt ca. weitere 90 Minuten Fahrt später. Wir erreichen das Eilean Donan Castle. Das hier ist schlicht umwerfend für mich. Ihr habt vielleicht gelesen (Mein Lieblingsfilm / http://www.ti-on.eu/mein-lieblingsfilm/), dass mein Lieblingsfilm aller Zeiten “Highlander” ist.
Hier, auf Eilean Donan Castle, spielt eine der Herkunftsszenen in dem Film und ich verfalle direkt und ohne Umschweife ins Träumen als ich die Kulisse sehe.

OH. MEIN. GOTT.

Hier, über diese Brücke ritt Christopher Lambert als Connor MacLeod vom Clan der MacLeod … Wooohooo … innerlich feiert definitiv mehr als ein Clan und die Kulisse ist umwerfend. Nein, weder die Ticketkontrolle, weder die Menschen auf der Brücke, weder das Wetter können die Atmosphäre trüben … ich bin am Ziel. Hier wurde (für mich) der Highlander geboren.

Um auf den Boden der Tatsachen zurück zu kommen, ein Ausflug in die Realität: Eilean Donan Castle ist eine Touristenattraktion. Viele Menschen besuchen das Castle, eigentlich ist es überlaufen und auch das Fotografieren innerhalb der Mauern streng verboten… Kommerz rulez 🙁

Aber: Meinen Eindruck schmälert das nicht einen Hauch. Das hier ist ein Bild das ich seit Jahrzehnten in meinem Kopf habe. Das hier ist nicht Eilean Donan Castle… Das hier ist die Heimat von Connor MacLeod von Clan der MacLeod am Loch Shiel… (das Loch Shiel gibt es übrigens auch … die MacLeods am Loch Shiel nicht)…

Besser wird es für mich heute nicht. Ich kaufe ein Buch über Eilean Donan Castle und gebe mich den Rest der Fahrt den Eindrücken hin.

Unser heutiges Ziel ist das kleine Örtchen “Plockton”. Plockton … das Juwel in den Highlands zollt seinem Namen Tribut und zeigt sich von einer Seite, die man als “unverwechselbarer Charme” bezeichnen dürfte. Plockton ist klein und wenn ich nach etwas ähnlichem suchen muss, dann ist es ein kleines, mediterranes Fischerdörfchen … nur halt in den Highlands … und in Schottland… und mit Regen… und mir nur drei Möglichkeiten den Abend zu verbringen. Wenn heute nicht Montag wäre… und das gleichbedeutend damit ist, dass nur zwei Location geöffnet sind. Eine ausgebucht ist … Glücklicherweise hat Doug für uns gebucht und wir haben die Chance im Plockton Inn nicht nur hervorragend zu essen … Ich hatte “Plockton Prawns” und zwei/drei Plockton Ale. Dazu und danach habe ich endlich Whisky in Schottland probiert und dem ist es sicher geschuldet, dass dieser Bericht so spät erscheint: https://www.thebalvenie.com/

Mein Fazit für heute:

Auch lange Busfahrten haben ein Ziel, das Wetter spielt nur bedingt eine Rolle, es gibt wenig Besseres als den Wunsch ein Highlander zu sein und die Kombination aus Plockton Ale und “The Belavenie” lässt Menschen träumen.

Mein Song des Tages ist “The Rolling Hills O’ The Borders” in der Version von Far Flung Collective … und ich bin untröstlich, dass es diese Version nicht frei zu verlinken gibt…  Vielleicht findet einer von Euch eine Version, ich würde mich über einen Link wirklich freuen.

Heute gibt es aufgrund der recht einfachen Internetverbindung in Plockton keine weiteren Bilder .. morgen gibt es dafür mehr (denke ich).

Die Artikelreihe zu meiner Schottland-Tour 2017:

Tag 4 in Schottland – Könige, drei Steine und ein Lied5 Min. Lesezeit (ca.)

Hier im Wellpark Guest House in Oban ist es sehr ruhig und der kurze Schlaf war es genauso. Heute möchte ich frühstücken und so genieße ich ein frisch gemachtes (fast) “Full Scotish Breakfast”. Fast? Genau. Traditionell besteht das Full Scottish aus:

– einer halben Tomate (grillt/gebraten – oft mit Käse)
– gebratenem Bacon/Schinken
– gebratenem Würstchen
– Gebratenen/gegrillten Pilzen
– gebackene Bohnen (kennt ihr – baked beans)
– einem Ei (Spiegelei, porchiert oder gekocht)
– Toast
und
– Black Pudding (und nein, das ist kein Dessert)

Auf den “Black Pudding” verzichte ich dankend. Was das ist? Googelt selbst 🙂 Ich mag es nicht. Letztes Jahr in England (#dannebenohneDich) habe ich ihn noch mal probiert … so schlimm, wie manch andere Erinnerung.

Oban

Nach dem Frühstück brechen wir auf. Doug ist pünktlich und wir fahren zum Fähranleger in Oban. Das Ziel der Fähre: Die Isle of Mull, genauer gesagt, der Fährhafen von Craignure, den wir nach gut 45 Minuten Fahrt erreichen. Craignure, ein kleiner Ort an der Küste und viel zu sehen gibt es hier nicht. Auf der Insel Mull bin ich angetan von der Landschaft. Berge, Seen (jaja, Lochs) und kaum Zivilisation. Gut 2700 Menschen leben hier, auf der zweitgrößten Insel der inneren Hebriden (die größte ist die Isle of Skye).

Da es auf unserem Weg (das eigentlich Ziel des Tages ist die Isle of Iona) kaum etwas anderes als Land, Berge, Seen, Schafe und die niedlichen Highland Rinder zu sehen gibt, bringt uns Doug auf einer der einspurigen Straßen direkt zum Fähranleger in Fionnphort. Von dort aus nehmen wir eine weitere (dieses Mal ohne Bus) Fähre und setzen nach Iona über. Schon vom Anleger in Fionnporth kann man auf der Insel die mächtige Iona Abbey sehen, zu der es mich sofort zieht.

Eigentlich hatte ich geplant, nur ca. 1,5 Stunden auf Iona zu verbringen um mich mit anderen weiter zu der Insel Staffa zu begeben. Den Plan verwerfe ich aber quasi sofort, als ich das Iona betreten habe. Die kleine Ansammlung von Häusern und Shops am Anleger sind niedlich, aber ich lasse sie direkt links liegen und begebe mich in Richtung der Abbey. Die Ruinen des ehemaligen Nonnenklosters auf Iona schaue ich später an.

Ruheplatz der Könige

Bevor ich den Eintritt zur Abbey zahle und das eingegrenzte Gebiet dort betrete, gehe ich auf den davor liegenden Friedhof.

Glaubt es, oder glaubt es nicht … aber dieser ganze Platz weckte eine Ehrfurcht in mir, die mir die Kehle schnürte.

Hier auf dem Friedhof Reilig Odhráin liegen Könige begraben. 48 schottische, 8 aus Norwegen und Frankreich, sowie 4 irische Könige sollen es sein. Der bekannteste: MacBeth. Die Grabplatten sind durch die Witterung kaum lesbar – nur der sehr neue Stein ist perfekt lesbar: John Smith, ehemaliger Vorsitzender der Labour Party wurde mit einer Sondergenehmigung hier begraben.

Der ganze Ort, die Abbey hat diese Ehrfurchts-Momente. Ich bin kein sonderlich geistlicher Mensch und die Institution Kirche beäuge ich häufig sehr skeptisch – aber das hier ist ehrliche Ehrfurcht.

Hier auf Iona liegt die Wiege des Christentums in Schottland und Nordengland. Eine Geschichte, die mit dem Mönch Columba im Jahr 563 n. Chr. beginnt und bis heute nicht zu Ende geschrieben scheint. Hier auf Iona entstand (wahrscheinlich) das “Book of Kells” – ein sehr berühmtes, kostbares und aufwendig gemaltes Buch der vier Evangelien, welches 2011 zum Weltkulturerbe erhoben wurde. Im Museum der Abtei ist eine Kopie zu sehen.

Auf dem Gelände der Abteil stehen zudem einige Kreuze, die aus uralter Zeit stammen. Eines noch an seinem angestammten Platz und so wie es vor über 1200 Jahren geschaffen wurde. Ich schlucke ein weiteres Mal.

Die ganze Insel, der Ruheplatz der Könige, die Abtei, das Museum haben mich in ihrer Hand. Ich sitze fast eine Stunde in der Sonne und schaue auf die ersten drei Mitbringsel, die ich mir im Shop der Erhaltungsgemeinschaft der Abtei gekauft habe. Drei silberne Steine:
Believe. Hope. Change.

Ich denke. Schaue. Grüble. Schlucke schwer, trockne Tränen und schreibe in mein kleines Notizbuch. In der Abtei habe ich einen Spruch von Felix Mendelsohn gelesen, der auf mich passen kann:

“When in some future time i shall sit in a madly crowded assembly with music an dancing round me, and the wish arises to retire into the loneliness, I shall think of Iona.”

Den Rest des Tages, die Rückfahrt, die Fähre und auch während des wirklich umwerfenden Wetters, komme ich aus dieser Stimmung nicht mehr heraus. Ich bin nicht spirituell, aber der Tag hat mich auf dieser Ebene geschafft. Auf eine Weise, wie ich es selten zuvor, wenn überhaupt jemals, erlebt habe.

Ein Lied von der Hinfahrt kommt mir wieder in den Sinn … Paul McCartney mit seiner Band “Wings” … Mull of Kintyre (Link führt zu youtube).

Ein paar Bilder:

Die Artikelreihe zu meiner Schottland-Tour 2017: