Was ich am meisten im Leben bereue3 Min. Lesezeit (ca.)

Reue. Etwas bereuen getan zu haben, oder eben auch nicht getan zu haben.

Um mich mit dieser Frag zu beschäftigen, habe ich mit einer anderen begonnen: Würdest Du alles noch mal genau so machen?

Wie die Meisten sagte auch ich erst mal ja. Dann denken wir nach. Ich auch. Die Antwort hatte ich schnell: Nein. Natürlich nicht.

Selbstverständlich nicht. Wenn ich das alles noch mal genau so tun würde, hätte ich aus meinen Fehlern und den Fehlern anderer nichts gelernt. Das habe ich. Zahllose Male. Leider nicht immer, aber zum Glück deutlich häufiger als nicht.

Nein, ich würde nicht noch mal alles so machen. Definitiv wäre ich in meiner Jugend nicht so ein Arsch gewesen, wenn ich früher gesehen und erkannt hätte, was das so anrichten kann. Selbstverständlich hätte ich von Anfang an, mehr Zeit für meine Kinder und Familie gehabt und meine Prioritäten schon damals deutlich wichtiger verlagert. Mit meinen Rückenschmerzen wäre ich früher zum Arzt gegangen und hätte die Bandscheiben-OP damals vielleicht verhindern können. Meinen Eltern vielleicht ein paar Schwierigkeiten in der Schule erspart, einigen Freunden ein besserer gewesen und vielleicht einen meiner Besten in der Schulzeit vor dem tödlichen Blödsinn bewahrt. Vielleicht hätte ich in der Schule doch einen anderen Weg eingeschlagen, hätte nicht so spät meinen professionellen Weg in die Richtung eingeschlagen. In vielen Fällen hätte ich nicht so reagiert, wie ich es getan habe. Verliebt in Werte. Hier und da würde ich meine Prinzipien heute in Frage stellen. Ich hätte viele Kleinigkeiten nicht getan, viele Dinge nicht gesagt und manche Sachen anders begonnen und angegangen. Vieles, was ich heute anders machen oder anders beeinflussen würde.

Nicht falsch verstehen, in der Gesamtsumme kann ich das alles vertreten und trage die Verantwortung. Stehe zu dem was ich gemacht habe. Letztlich hat mich alles zu dem gemacht was ich heute bin und ausmacht.

Dennoch: Mit der Erfahrung von Heute, dem Wissen der Jahre und den Narben der Jahrzehnte … bereue ich Einiges.

Einen Spruch, den ich dazu irgendwann mal gelesen habe: “Es ist viel zu früh zu spät.” – Stimmt. Wenn dem nicht so wäre, wäre einiges anders.

Doch bereust Du jetzt am meisten?

Da schwanke ich derzeit zwischen zwei, drei Sachen. In den letzten Monaten und Jahren ist so viel passiert, dass es Dinge gibt, die ich noch nicht einschätzen kann. Ob es nur gerade so fies, doof und heftig ist oder es sich für mein weiteres Leben so tief einbrennt, wie ich glaube? Keine Ahnung. Daher lasse ich das erst mal aussen vor.

Ich glaube, am meisten bereue ich, dass sich im Laufe der Zeit die Familie aus dem Blick verloren hat und ich meinen Teil dazu beigetragen habe, dies nicht zu verhindern oder zu ändern. Trotz der Tatsache, dass ich kein Freund von irgendwelchen großen Familienzusammenkünfte oder gezwungener Atmosphären bin und mich in großen Gruppen nicht so wirklich wohl fühle, fehlen mir die Menschen meiner Vergangenheit/meiner Kindheit in meinem Leben.

Ob sich da mal etwas tut? Ich weiß es ehrlicher Weise nicht. Obwohl ich das weiß, obwohl wir da hier und da auch mal einen Versuch starten – irgendwie ist das halbgar. Unlust, Angst vor der Ablehnung, fehlendes Interesse, keine Zeit? Bestimmt irgendwie alles.

Sei es drum. Meine Baustelle. Und Du, bereust Du etwas?

Info: Was soll dieser Artikel
Dieser Artikel ist Teil meiner kleinen “30 Tage Challenge” zum Start dieses Blogs. Hier der Start der Serie und alle Themen, die in den 30 Tagen enthalten sind.

Veröffentlicht von

Thorsten

Thorsten. Geboren 1972. Alleinerziehender Vater von zwei Töchtern und hier privat unterwegs. Ich brauche einen Platz für meine Gedanken, meine Beobachtungen, meine Anmerkungen. Dieser ist hier.

4 thoughts on “Was ich am meisten im Leben bereue3 Min. Lesezeit (ca.)

  1. Sehr ehrlicher Artikel. Was wir gemeinsam haben: dass wir keine gezwungene Atmosphäre mögen.

    Ich war früher als Kind und Jugendliche oft zu lieb, hab mir zu viel gefallen lassen. Lag aber auch an der Erziehung …. ist ein anderes langes Thema 🙂

    Weiter so! Ist spannend zu lesen was du schreibst …

  2. Hey, na die jugendlichen “Sünden” hat wohl jeder in einer gewisser Weise hinter sich. Sicherlich gibt es viele Dinge, die man hätte besser machen können, oder gar nicht erst erst hätte machen sollen.
    Ich habe da definitiv etwas, was ich sehr bereue, aber ich habe es an richtiger Stelle angesprochen, trotzdem hängt es mir sehr nach.
    So hat wohl jeder sein Päckchen zu tragen und unterm Strich, wie du sagst, sind wir daraus das geworden, was wir heute sind.
    Liebe Grüße!

  3. Bereuen? Naja, eher ein enttäuschter Blick zurück, da ich dieses Leben so nicht ganz freiwillig gewählt habe. Sicherlich habe ich selber auch Fehler begangen, teils aus Unwissenheit, teils auch einfach nur aus Unreife, aber es wurde mir auch immer wieder Steine in den Weg gelegt. Denke es hält sich in etwa die Waage, was eigene Fehler und unverschuldete Fehlschläge angeht.

    Naja, ich habe mich damit abgefunden. Bin ein guter Mensch geblieben, kam nie mit dem Gesetz in Konflikt, ich bin mit mir im Reinen.

    Aber klar, mit dem Wissen von heute, würde ich einige Dinge anders machen.

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