Wie letztens geschrieben, habe ich mir nun auch den Wahlkampf-Flyer von Dr. Ralf Köster angeschaut. Sechs Seiten im gefalteten DIN-A4-Format für den Wahlkampf um das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Schlangen. Unabhängig, ohne Parteibindung, aber mit großen Worten.
Der Flyer trägt den Titel „Ihre Wahl für eine lebenswerte Zukunft“. Klingt für mich erstmal nach dem üblichen Wahlkampfslogan, der überall funktionieren soll. Wer will diese denn nicht, die lebenswerte Zukunft? Und wenn ich ihn nicht wähle, bekomme ich diese nicht? Typischer Wahlkampfsprech..
Neben einer kurzen Vorstellung seiner Person und einem komprimierten Lebenslauf teilt sich der Flyer thematisch auf.
Vereine und Freizeit
Köster setzt im Drei-Themen-Mix auch auf Vereine und Freizeit. Vereine seien Lebensadern der Gemeinde, Förderung sei eine Kernaufgabe. Klar: In Schlangen haben Vereine eine herausgehobene Rolle. Das ist identitätsstiftend, und völlig richtig für Schlangen.
Dass man für entsprechende Unterstützungen seitens der Gemeinde, Fördermittel bereithalten muss, ist unbestritten. Die können natürlich aus entsprechenden Programmen kommen, die Gemeinde an sich wird das Portemonnaie ebenfalls öffnen (müssen).
Aber: Im gleichen Atemzug verweist Köster auf den klammen Haushalt und die Notwendigkeit der finanziellen Konsolidierung. Das wirkt widersprüchlich: Wer sparen will, muss in der Praxis auch bei den „freiwilligen Leistungen“ ran. Und genau dazu gehören Bäder, Sportstätten und Vereinsförderung. Hier bleibt der Flyer unklar. Klingt nett, löst aber kein Problem.
Wirtschaft und Handel
Im nächsten Abschnitt geht es um Wirtschaft und Handel. Köster betont, dass Gewerbetreibende mehr sind als nur Steuerzahler. Sie seien Grundlage für sozialen Zusammenhalt. Richtig. Der Kampf gegen Leerstände wird angesprochen, auch die Bedeutung der Gastronomie.
Alles Themen, die in Schlangen wichtig sind. Nur: Auch hier fehlt mir die Substanz. Ein Satz wie „Eine proaktive Verwaltung muss Räume öffnen“ ist eine Phrase, keine Maßnahme. Wo ist hier die konkrete Idee? Welche Instrumente sollen helfen? Förderprogramme? Zwischennutzungen? Kulturformate, die die Gaststätten oder leerstehenden Läden stützen? Davon findet sich für mich nichts.
Lebensmittelpunkt für Generationen
Zum Schluss ein Kapitel über Heimat und Generationen. Die Gemeinde sei für viele seit Generationen Lebensmittelpunkt, auch künftig solle das so bleiben. Jugendliche, Familien, Senioren. Alle sollen berücksichtigt werden. Völlig richtig.
Allerdings liest sich das auch ein wenig wie eine Ansprache auf einem Schützenfest alá „Wir sind hier daheim, und das soll so bleiben.“ Emotional anschlussfähig, sicher. Aber: Auch hier fehlt der Plan. Wie will Köster jugendgerechte Angebote sichern? Wie sieht seine Vorstellung für seniorengerechtes Wohnen oder ärztliche Versorgung aus? Oder zur Erhöhung der Attraktivität für jede, die das “Alles haben” für den Ort realisieren soll.
Dass sich hier z.B. Fachärzte ansiedeln, halte ich für wenig realistisch, auch der Einzelhandel (lokal und stationär) muss in der Lage sein, Gewinne zu erwirtschaften. Sich hier der Frage zu widmen, wie das durch Unterstützung passieren kann, ist sicher keine schlechte Idee. Allerdings wird daraus auch schnell ein Problem, wenn man seitens der unterstützenden Seite nicht investieren kann oder möchte.
Meine Meinung
Der Flyer ist ein bunter Strauß an Allgemeinplätzen. Vereinsförderung, Wirtschaft, Heimat . Alles Themen, die niemand bestreiten wird, die allen im Ort mehr oder weniger wichtig, und definitiv wohlklingend sind. Politisch anschlussfähig in alle Richtungen: Wählende aus nahezu allen Lagern könnten sich damit arrangieren. CDU/SPD-Wählende fühlen sich wohl, Grüne können Heimat und Nachhaltigkeit hineinlesen, sogar Stammwählende der FDP freuen sich über die Wirtschaftspassagen.
Aber genau das ist das Problem: Es bleibt mir zu vage. Viel Rhetorik, wenig Konkretes. Und dort, wo er Dinge anspricht (Konsolidierung + Förderung), entstehen Widersprüche. Wer in Schlangen Bürgermeister werden will, sollte Antworten geben. Was ist denn mit Fragen wie:
- Was passiert auf lange Sicht mit dem Freibad?
- Wie verhindern wir Leerstand im Ortskern? Oder wie können wir unterstützen?
- Wie sichern wir die Vereinsförderung trotz leerer Kassen?
- Wo schaffen wir Wohnraum für junge Familien?
Köster vermeidet klare Antworten und liefert damit eher eine Sonntagsrede als ein Programm. In einer lippischen Gemeinde wie Schlangen reicht das m.E. nicht.
Aber hey. Ich bin nur ein kleiner Pinsel.
