Das Thema ISEK beschäftigt offenbar nicht nur mich. Inzwischen haben mich drei Leserbriefe erreicht, in denen sich Menschen mit dem Thema, den Entwicklungen und den damit verbundenen Fragen auseinandersetzen.
Ich finde es wichtig, dass auch diese Stimmen öffentlich zu Wort kommen. Schließlich geht es um die Zukunft unserer Gemeinde und damit um etwas, das uns alle betrifft. Unterschiedliche Sichtweisen, Kritik und Fragen gehören zu einer solchen Diskussion dazu.
Mit ausdrücklicher Zustimmung der Verfasser veröffentliche ich die drei Zuschriften hier im unveränderten Originalwortlaut. Die darin geäußerten Ansichten sind die der jeweiligen Verfasser.
Vielen Dank an alle drei für ihre Zuschriften und die Bereitschaft, ihre Gedanken öffentlich zu teilen.
Die 1980er sind kein Zukunftskonzept
Man kann den heutigen Ortskern mögen und trotzdem erkennen, dass eine Planung aus den 1980er Jahren nicht automatisch die richtige Antwort auf die Herausforderungen der 2030er und 2040er Jahre ist.
Unsere Gesellschaft wird älter. Barrierefreiheit wird wichtiger. Starkregen und extreme Hitze nehmen an Bedeutung zu. Familien wünschen sich sichere Wege und attraktive öffentliche Räume. Gleichzeitig steht der stationäre Einzelhandel durch Onlinehandel und verändertes Einkaufsverhalten unter einem erheblichen Veränderungsdruck.
Darauf mit „Es soll möglichst alles bleiben wie bisher“ zu reagieren, ist keine Strategie.
Tradition und Veränderung schließen sich nicht aus. Gerade wer den Ortskern erhalten möchte, muss bereit sein, ihn weiterzuentwickeln. Stillstand konserviert nicht – er führt irgendwann dazu, dass andere Orte attraktiver werden.
Herzliche Grüße
Petra Pauly
Ein ISEK ist kein Parkplatzkonzept
Wer die aktuelle Stellungnahme der Werbegemeinschaft liest, könnte meinen, beim ISEK gehe es nahezu ausschließlich um Parkplätze. Dabei wird ausgeblendet, worum es tatsächlich geht: um die Zukunft unseres Ortskerns.
Es geht um barrierefreie Wege für körperlich eingeschränkte und ältere Menschen, um sichere Verbindungen für Kinder, um Bäume und Schatten, um Aufenthaltsqualität, Starkregenschutz und darum, dass sich Menschen auch in zwanzig Jahren noch gerne in der Ortsmitte aufhalten. Natürlich gehören dazu auch Erreichbarkeit und Parkmöglichkeiten. Aber sie sind eben **ein Teil** und nicht der alleinige Zweck eines Ortskerns.
Ein lebendiger Ortskern ist mehr als eine Ansammlung von Stellplätzen. Wer Schlangen zukunftsfähig machen will, muss weiter denken als bis zur nächsten Parklücke.
Eva-Maria Görtz
Fakten statt Polemik
Wer heute durch die Schlänger Ortsmitte geht, sieht keineswegs überall einen Mangel an Parkplätzen. Im Gegenteil: Schon jetzt sind häufig zahlreiche Stellplätze frei. Andere werden über Stunden von Beschäftigten und Pendlern belegt. Genau hier setzt das Parkraumkonzept des ISEKS an. Die geplante kostenlose Parkscheibenregelung soll dafür sorgen, dass vorhandene Stellplätze häufiger für Kundinnen und Kunden verfügbar werden. Mehrere Gründe sprechen für das neue Konzept: Für immer größere Autos werden größere Stellplätze benötigt, Wegfall von Einzelhandelsgeschäften in der Ortsmitte und neue Geschäfte mit geringerer Kundenfrequenz, Wegfall von zwei Gasthöfen in der unmittelbaren Ortsmitte. Neu dagegen sind drei Einrichtungen für Senioren in der Ortsmitte. Darüber hinaus sind in den letzten Jahren rund um den Ortskern etliche Parkplätze neu entstanden.
Fußgänger und insbesondere Senioren z.B. im Rollstuhl brauchen ausreichend breite Wege, die oft durch parkende Autos nicht breit genug sind. Viele Kunden kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad in den Ortskern. Auch diese Menschen sind Kunden – und sie profitieren von sicheren Wegen, mehr Platz und einer attraktiveren Ortsmitte. Darüber hinaus ist die Infrastruktur in die Jahre gekommen und muss erneuert werden.
Von der Werbegemeinschaft würde ich mir wünschen, dass sie aktiv wird, um Kunden nach Schlangen zu holen. Da reicht der Slogan gut geparkt, gut beraten, gut gekauft nicht aus. Dass die Werbegemeinschaft zusammen mit anderen Vereinen und Organisationen aus Schlangen dazu in der Lage ist, zeigt das Beispiel Schlänger Sommerfest aus den achtziger Jahren, auf dem der Schlänger Einzelhandel seine Leistungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.
Martin Nowosad