So verbindlich wie die Umstellung der Zeit, so zuverlässig stellt sich in Schlangen das große Schweigen ein, sobald es keinen Anlass mehr gibt, sich öffentlich über irgendetwas aufzuregen.

In den vergangenen Wochen war mal ein bisschen Bewegung in der kommunalpolitischen Kommunikation. Insbesondere SPD und FWG hatten im Zusammenhang mit dem ISEK ihre zwischenzeitliche Freude am öffentlichen Poltern entdeckt. Mit fragwürdigen Zahlenspielen, seltsamen Argumentationen, einer Petition und reichlich Empörung wurde plötzlich wieder kommuniziert. Naja, nicht wirklich kommuniziert. Gesendet. Mit einem tatsächlichen Austausch, der sachlichen Einordnung und einer vernünftigen Information der Menschen hier vor Ort hatte das so wenig zu tun, wie lokale AfD-Dudes mit ernsthaften Absichten für gemeinschaftliche Politik. Nichts.

Ich habe mich darüber in den vergangenen Beiträgen ausführlich ausgelassen.

Jetzt ist die Entscheidung gefallen, die Aufregung legt sich und schon wird es wieder merklich ruhiger. Dabei wäre gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, über die nächsten Schritte zu sprechen. Über die anstehende Bürgerbeteiligung, mögliche Veränderungen, Alternativen, die tatsächlichen Kosten und darüber, wie die weitere Entwicklung unserer Gemeinde aussehen kann.

Aber das ist eben nicht so schön einfach wie ein bisschen Empörung auf Facebook.

Das eigentliche Problem ist allerdings viel älter als das ISEK.

Ich schreibe seit Jahren darüber, dass die meisten unserer kommunalpolitisch Verantwortlichen immer noch nicht verstanden haben, wie politische Kommunikation im 21. Jahrhundert funktioniert. Genauer gesagt funktionieren sollte. Und ich frage mich zunehmend, wie oft man das eigentlich noch erklären muss.

Politische Meinungsbildung findet nicht erst vier Wochen vor einer Wahl statt. Sie entsteht in den Monaten und Jahren dazwischen. Wenn Menschen politische Entscheidungen nachvollziehen können, wenn Verantwortliche ihre Überlegungen erklären, Fragen beantworten, Kritik aufnehmen und gelegentlich auch einfach mal zeigen, woran sie arbeiten.

Dafür braucht es keine tägliche Veröffentlichung, keine albernen Tanzvideos und auch keinen riesigen Kommunikationsapparat. Es braucht lediglich die Bereitschaft, die eigene politische Arbeit öffentlich und verständlich zu begleiten. Und Menschen ernst zu nehmen, die sich dafür interessieren.

Bei der CDU Schlangen ist das weiterhin DIE Herausforderung. Sich dafür zu interessieren. Gelegentlich gibt es durchaus eine Veröffentlichung, auch zum ISEK. Eine Veröffentlichung von insgesamt NEUN in diesem Jahr. Neben Ostereiern und Kinder-Kochkurs. Aber eine kontinuierliche, dialogorientierte Kommunikation entsteht daraus noch lange nicht. Hängt die Fraktionsspitze gedanklich tatsächlich noch so sehr am Faxgerät, dass der Weg ins kommunikative 21. Jahrhundert einfach zu beschwerlich erscheint? Anders kann ich mir dieses hartnäckige Festhalten an überholten Kommunikationsmustern und die Verweigerung der Teilnahme an dem, wo sich die Menschen bewegen, inzwischen kaum noch erklären.

Für mich auch klar: Aus diesem Schlaf küsst die CDU Schlangen niemand mehr wach.

Eine Entwicklung möchte ich ausdrücklich erwähnen.

Die Grünen in Schlangen haben in den vergangenen Wochen mehrfach gezeigt, wie man kommunalpolitische Themen öffentlich begleiten kann. Mit ausführlichen Beiträgen zum ISEK, mit konkreten Argumenten, Verweisen auf Unterlagen und der Einordnung von Behauptungen. Auch nach der Entscheidung im Rat wurde erklärt, wie es weitergehen soll und welche Beteiligungsmöglichkeiten vorgesehen sind. Gut so. Sogar ein neuer Kanal ist dazu gekommen (Grüne auf Facebook).

Das ist zumindest eine Form politischer Öffentlichkeitsarbeit, mit der Menschen tatsächlich etwas anfangen können. Man muss die Positionen der Grünen dafür weder teilen noch gut finden. Entscheidend ist, dass man überhaupt erfahren und nachvollziehen kann, wofür sie stehen und wie sie zu ihren Einschätzungen kommen.

Genau darum geht es mir seit Jahren.

Natürlich findet Kommunalpolitik in den Ausschüssen, im Rat und in Gesprächen statt. Aber sie darf dort nicht für die Öffentlichkeit enden. Wer ein Mandat übernimmt, trägt schließlich auch Verantwortung dafür, die eigene Arbeit nachvollziehbar zu machen.

Und nein, eine gelegentliche Pressemitteilung oder ein Facebook-Beitrag mit einem Foto vom nächsten Termin ersetzt das nicht.

Das besonders Ärgerliche daran ist, dass dieses kommunikative Vakuum nicht einfach leer bleibt. Andere füllen es. Mit ihren Behauptungen, ihren Erzählungen und ihrer Interpretation dessen, was hier politisch passiert. Wer sich selbst aus der öffentlichen Diskussion verabschiedet, überlässt anderen die Deutung. Auch das habe ich hier schon hoch und runter gebetet.

Und irgendwann wundert man sich dann wieder über die politische Stimmung, das mangelnde Vertrauen oder darüber, welche Geschichten sich in den Köpfen festgesetzt haben.

Liebe kommunalpolitisch Verantwortliche in Schlangen: Die nächste Wahl ist noch eine ganze Weile entfernt. Das ist keine Einladung zum kommunikativen Winterschlaf. Es ist die Gelegenheit, endlich einmal zu zeigen, dass Ihr Politik nicht nur machen, sondern auch erklären könnt.

Auch ohne Wahlkampf. Auch ohne Empörung. Und vielleicht sogar mal im Gespräch mit den Menschen.

Wäre doch was.

p.S.: Ein paar Interessierte haben in den vergangenen Tagen an einem Workshop zur Verbesserung ihrer Kommunikation teilgenommen. Vielleicht sehen wir ja Veränderungen 🙂

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