Man muss schon ein bisschen Anlauf nehmen, um von ein paar nicht mehr zum Parken geduldeten Grünflächen bis zur möglichen Schließung unseres Freibades in Schlangen zu kommen.

Die Petition und die Aufregung rund um das Parken auf Grünflächen in der Gemeinde Schlangen schaffen das.

Dort werden aus Grünflächen zunächst „Parkflächen“, die angeblich stillgelegt wurden. Dann sind die anderen Parkmöglichkeiten „sehr weit entfernt“ und „unzumutbar“. Deshalb könnten Menschen nicht mehr ins Freibad nach Schlangen kommen, Einnahmen wegbrechen und am Ende, schlimmstenfalls, sogar das Freibad schließen.

Ganz schönes Horrorszenario. Nur fehlt mir dafür nahezu alles, was es belastbar machen würde, und es wird um polemische Argumente ergänzt, die nach typischer Empörungskultur bestimmter Lager stinken.

Fangen wir vorne an: Die Flächen zwischen den Bäumen in der Badstraße waren noch nie ausgewiesene Parkplätze. Dort wurde geparkt und das wurde geduldet. Wirklich erlaubt war es nie. Parkplätze waren es nie. Im Protokoll des Umweltausschusses von 2023 wird sogar ausdrücklich von einer bislang „bürgerfreundlichen Duldung“ gesprochen. Gleichzeitig wurde festgehalten, dass das Parken dort bereits eine Ordnungswidrigkeit darstellt.

Aus Gewohnheit wird aber kein Parkplatz. Und aus dem Ende einer Duldung wird auch keine „Stilllegung“.

Ja, wenn man da nicht parken darf und die Parkplätze nicht ausreichen, muss man sich etwas anderes überlegen.

Aber, die angeblich unzumutbar weit entfernten Alternativen sind es in den Augen der Empörten nicht. Direkt am Freibad bleibt der öffentlicher Parkplatz. Ist der voll, verweist die Gemeinde auf die Parkmöglichkeiten am Sportplatz Rennekamp und Am Tiwitt. Von dort ist das Freibad in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Das sind 500 Meter.

„Sehr weit entfernt“ ist für mich etwas anderes. 500 Meter.

Und vielleicht muss auch nicht jeder, der aus Schlangen selbst ins Freibad möchte, sein Auto möglichst nah am Eingang abstellen. Wer kann, kann mit dem Rad kommen. Oder ein paar Minuten laufen. Das Freibad liegt schließlich nicht irgendwo außerhalb der Zivilisation.

Vielleicht hat das sogar einen positiven Nebeneffekt: Wenn diejenigen, für die ein kurzer Fußweg oder das Fahrrad problemlos möglich sind, nicht den Parkplatz direkt am Bad belegen, bleiben dort eher Stellplätze für die Menschen frei, die auf kurze Wege tatsächlich angewiesen sind.

Das wäre für mich jedenfalls eine sinnvollere Diskussion als die Frage, wie nah ich mein Auto an mein Handtuch bekomme.

Am Ende reden wir nämlich fast ausschließlich über Bequemlichkeit.

Das ist nicht verwerflich. Natürlich parke auch ich lieber nah als weit weg.

Nur wird die eigene Bequemlichkeit nicht automatisch zum übergeordneten Interesse. Auf der anderen Seite stehen Grünflächen, Bäume, Bodenverdichtung und ein politischer Beschluss, diese Flächen im gesamten Gemeindegebiet konsequenter zu schützen.

Denn auch das wird in der aktuellen Empörung vergessen (und von manchen gezielt überspielt): Die Verwaltung hat sich die Sache nicht ausgedacht. Und es ist keine Sache, die gerade auf den Plan geworfen worden ist.

Der Umweltausschuss hat am 21. März 2023 beschlossen, zunächst zu informieren und anschließend den „Schutz der Grünflächen im gesamten Gemeindegebiet konsequent umzusetzen“. 10 stimmten dafür, drei dagegen.

Jetzt wird informiert.

Und plötzlich sucht sich die Verwaltung angeblich neue Aufgaben, um ihre „Daseinsberechtigung“ zu sichern.

Muss man auch erst einmal hinbekommen. Und das von einem Dude, der selbst Bürgermeister werden wollte … so weit weg von tatsächlichem Verstand über Prozesse in der Politik muss man auch erst mal sein. Respekt.

Besonders abenteuerlich finde ich aber die behauptete Gefährdung des Freibades.

Natürlich lebt ein Freibad von Besucherinnen und Besuchern. Natürlich sollte es gut erreichbar sein. Aber aus „einige Menschen müssen ihr Auto ein paar Minuten Fußweg entfernt abstellen“ über „erhebliche Einnahmeverluste“ bei einer möglichen Schließung zu landen, ist keine belastbare Prognose.

Es ist eine Spekulationskette.

Zumal sich die Situation schon im kommenden Jahr wieder verändern dürfte. Das Freibad in Bad Lippspringe wird derzeit umgebaut und soll zur Saison 2027 wieder öffnen. Damit kommt direkt nebenan wieder ein weiteres Freibadangebot hinzu und Besucherströme dürften sich wieder stärker verteilen. Zumindest die, die mit dem Auto kommen (müssten).

Das Untergangsszenario für unser Freibad wegen einiger nicht mehr beparkbarer Grünflächen wird dadurch nicht unbedingt plausibler.

Und dann gibt es noch dieses wunderbare Regenargument aus der Petition. Bei Regen komme schließlich niemand ins Freibad, also könne das Parken dort auch kein Problem für die Regenwasserversickerung sein.

Nur leider verdichtet sich ein Boden auch bei Sonnenschein.

Die Folgen verschwinden nicht, sobald das Auto vom Grünstreifen fährt. Man kann über die Gewichtung von Baumschutz, Parkraum und Erreichbarkeit streiten. Aber dafür sollte man wenigstens das Problem verstanden haben, über das man streitet.

Und schließlich landen wir wieder bei den Kommentaren.

„Nächstes Mal weiß ich, wen ich wähle.“

Prima. Wahlen sind genau dafür da.

Man sollte nur vorher vielleicht nachschauen, wer eigentlich was entschieden hat und wie Politik funktioniert. In diesem Fall hat ein politischer Ausschuss den gemeindeweiten Auftrag beschlossen. Die Verwaltung setzt ihn um.

Und wer ein paar Minuten Fußweg zum Freibad anschließend mit „Kein Wunder, dass immer mehr Menschen rechts wählen“ kommentiert, erklärt damit für mich weniger die Politik als die eigene Haltung. Respekt, Braunling. Vielleicht setzt Du da noch mal an und informierst Dich, wie die Pappnasen Bürgerbeteiligung und Durchsetzen von Beschlüssen verstehen und wie wenig Du anschließend überhaupt noch in Prozesse eingebunden wärst.

Politische Radikalisierung mit einem nicht mehr geduldeten Parkplatz auf einer Grünfläche zu entschuldigen, ist billig.

Man darf die Entscheidung kritisieren. Man darf auch verlangen, dass die Gemeinde prüft, ob die regulären Parkmöglichkeiten an Spitzentagen ausreichen. Wenn Menschen mit Mobilitätseinschränkungen Probleme haben, muss man dafür Lösungen finden.

Aber vielleicht muss nicht jede Einschränkung der eigenen Bequemlichkeit sofort zur Krise erklärt werden.

Und schon gar nicht zur existenziellen Bedrohung unseres Freibades.

Manchmal muss man das Auto tatsächlich ein paar Meter weiter wegstellen. Und ganze 500 Meter laufen … oder mit dem Rad kommen … oder die eigene Bequemlichkeit mal größeren Zielen wie dem Erhalt der Allee unterordnen.

Das Abendland wird es überleben.

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