Tag 6 / Schottland 2018 – Islay, die verlorene Speicherkarte und Loch Lomond4 Min. Lesezeit (ca.)

Das Wetter meint es auch am letzten Morgen auf Islay wirklich gut mit uns. Zwar ist es noch ein wenig frisch, als wir um 08:45 Uhr aufbrechen, aber die Sonne scheint und der Himmel ist klar. Da wir heute zurück nach Edinburgh fahren müssen wir erneut die Fähre nehmen – dieses Mal von Port Ellen aus zum Hafen nach Kennacraig. Mein zweiter Verlust dieser Tour wird mir erst im Bus bewusst: Die Spiegelreflex-Kamera zeigt an, dass die nicht drin ist … Mist. Zum Glück habe ich gestern Abend noch alle Bilder gesichert … Muss wohl im B&B liegen geblieben sein.

Die Überfahrt mit der Fähre dauert ein wenig länger als zwei Stunden und die Fahrt ist ruhig. Zeit genug zu schauen, ein paar Fotos (mit dem Handy) zu machen und ein paar kleine Videosequenzen zu drehen. Außerdem habe ich die Zeit dann auch gleich genutzt, um die Übersichtsseite für das Reisetagebuch: Schottland 2018 (1) in den Blog zu integrieren. Das kostenfreie WLAN auf der Finlaggan von Caledonian MacBrayne (https://www.calmac.co.uk/) ist stabil genug für sowas.

Zwischendurch gehe ich immer wieder an Deck, aber trotz der Sonne ist es dank des Windes auf See wirklich frisch. Wale und Delfine habe ich nicht sehen können (könnte man, aber vielleicht die falsche Jahreszeit dafür – oder ich habe es schlicht nicht die ganze Zeit auf Deck ausgehalten und sie daher verpasst). Wir verlassen die Fähre in Kennacraig und machen uns auf zum Loch Fyne. Dort, in Inveraray, ist unserer kleine Mittagspause. Ich freue mich sehr, denn hier war ich letztes Jahr bereits. Das Schloss kann ich dieses Mal zwar nicht besichtigen (ist geschlossen), aber von der Brücke haben wir einen guten Blick (sieht man auf dem Foto glaub ich auch 🙂 ).

In Inveraray, direkt neben dem Inveraray Jail (einem Museum mit Ausstellung) ist ein kleiner Elektro-Kram-Laden. Zwei Räume, zusammen vielleicht 12 Quadratmeter, sind vollgepackt mit Elektrokram, Spielzeug und Nippes. Ich suche nur eine Speicherkarte und finde sie, als ich den Besitzer frage, der hinter der Kasse sitzt. 8 GB Speicherkarte für 17,90. Pfund – ich habe schon bessere Schnäppchen gemacht, aber schließlich brauche ich für die kommenden Tage noch eine. Im Bus angekommen packe ich die Karte aus und … tata … finde im Kartenschlitz die alte Speicherkarte. Nur nicht richtig eingerastet. Ja, schön blöd, da nicht wenigstens mal nachzuschauen, Thorsten. Überall habe ich gesucht – meinen Rucksack zwei Mal auf den Kopf gestellt … aber da habe ich nicht geschaut …

Nach Fish & Chips ohne Chips … ich habe seit langer Zeit kaum gescheiten Hunger … geht es weiter auf dem Weg nach Edinburgh. Wir passieren den Loch Lomond und legen hier in Luss einen weiteren, letzten Stopp vor Edinburg ein. Das kleine Örtchen ist wirklich nett, tolle Häuser und ein sagenhafter Blick auf den Loch Lomond.

Als wir wieder losfahren driftet meine Stimmung wieder ab. Auf den Ohren habe ich passenderweise Loch Lomond von Runrig.

You’ll take the high road and I’ll take the low road
And I’ll be in Scotland afore ye
Where me and my true love will never meet again
On the bonnie bonnie banks of Loch Lomond.

Wer mich kennt (oder glaubt es ein wenig zu tun) wird die Stimmung in mir abschätzen können, wenn ich solche Lieder höre. Schweife ab und weiß, nie wieder kommt jemand so nah an mich heran. Nie wieder wird jemand die Chance bekommen, mir mit so viel Falschheit, so weh zu tun.

Hier das Lied auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=pzQ1pNfbe3Q

Übrigens hat das Lied auch eigentlich eine andere Bedeutung und ist sehr traurig. Zwei Brüder, die während des Krieges Schottland vs. England unter Bonnie Prince Charlie gefangen worden waren, wurden von den Engländern vor die Tatsache gestellt, dass einer von ihnen getötet wird und der andere zurück nach Schottland gehen muss, um die Geschichte zu erzählen. Die Entscheidung wer stirbt und wer leben sollte, sollten die beiden Brüder selber fällen.

Harte Geschichte. Harte Zeiten.

Das Lied läuft heute ein paar Mal in Schleife und meine Stimmung reicht mir für heute. Zurück in Edinburgh wird es heute ein Abend voller Bier und Whisky.

Auf eine bessere Zukunft. Slàinte mhath.

Ein paar wenige Bilder von heute:

Die Artikelreihe zu meiner Schottland-Tour 1/2018:

Veröffentlicht von

Thorsten

Thorsten. Geboren 1972. Alleinerziehender Vater von zwei Töchtern und hier privat unterwegs. Ich brauche einen Platz für meine Gedanken, meine Beobachtungen, meine Anmerkungen. Dieser ist hier.

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